über Ingo

Die Familie Schwichtenberg wohnte zu Ingo´s Kinder- und Jugendzeit in einem Reihenhaus einer Hamburger Siedlung, in der auch Kai Hansen nicht allzu weit entfernt wohnte. Der Vater war ein Feuerwehrmann, was speziell Weihnachten schon recht stressig werden konnte, da die Weihnachtsbaumkerzen noch aus Wachs waren. Für den Notfall wurde dann immer ein Eimer mit Sand im Wohnzimmer hingestellt, was Ingo stets etwas übertrieben fand. Zum Glück ist auch nie etwas ernsthaftes passiert. Als Ingo 4 Jahre alt war, kam seine Schwester auf die Welt. Da war der große Bruder schon 10 Jahre alt. Trotz der Altersunterschiede haben die Geschwister sich meistens gut miteinander verstanden. Die Sommerferien verbrachte die ganze Familie überwiegend in Cuxhaven am Strand.
 

Musik begleitete alle Geschwister schon von klein an. Dies schulbedingt, da sie dort alle schon sehr früh mit einem Instrument starteten. Der große Bruder musste immer zum Blockflötenunterricht. Da er darauf aber gar keine Lust hatte, wurde die blöde Flöte einfach mal über einen Zaun in Nachbars Garten geschleudert. Ab dem Zeitpunkt war es zumindest für ihn dann vorbei mit dem Musikunterricht. Ingo musste dann auch Blockflöte lernen und bekam später auch Unterricht zum Klarinetten spielen. So kam er damals das erste Mal mit Musiknoten in Kontakt und begeisterte bereits bei diversen Schulaufführungen Mitschüler und Lehrer durch verschiedenste Soloeinlagen am Schlagzeug der Schule. Seine Schwester bekam zunächst ein Glockenspiel, dann auch Block- und Altflötenunterricht und etwas später eine Querflöte, die sie mit Leidenschaft spielte. Da der Vater ein begeisterter Judoka war, hat auch Ingo mit Judo angefangen und mit Erreichen des gelben Gürtels seine Judo-Karriere wieder beendet.
 

Der große Bruder zog 1977 in eine eigene Wohnung. Ingo und seine Schwester wohnten weiterhin im Reihenhaus zusammen mit den Eltern. Im Sommer 1981 verstarb die Mutter nach schwerer Krankheit. Die Schwester fand ein neues Zuhause, was auch ein Herzenswunsch der Mutter war, und der Kontakt zu Ingo und auch dem großen Bruder und Vater wurde über all die Jahre gehalten und gepflegt. Ingo wohnte weiterhin mit seinem Vater in dem Reihenhaus. Während dieser Zeit war das Zusammenleben von Vater und Sohn nicht immer ohne Probleme. Seine Mutter war bereits lange vor ihrer Krankheit dafür eingetreten, dass Ingo endlich seinen Traum vom Schlagzeug spielen verwirklichen kann. Dann hat Ingo auch nach langem Bitten endlich sein eigenes Schlagzeug von seinem Vater geschenkt bekommen. Sogleich wurde es unter dem Dach aufgebaut und täglich geübt. Die Nachbarn mussten da schon sehr viel leiden, da die Reihenhäuser sehr hellhörig waren. Letztendlich hatte er aber die volle Unterstützung durch seinen Vater, der auch so manche Beschwerde der Nachbarn schlichten musste. Das war auch die Zeit als Ingo und Kai beschlossen künftig zusammen Musik zu machen. Die beiden "Besten Freunde" wurden später die Gründungs-mitglieder von HELLOWEEN.
 

Nach dem Schulabschluss begann Ingo eine Ausbildung als Bürokaufmann. Niemand aus der Familie konnte verstehen, warum Ingo ausgerechnet einen solchen langweiligen Beruf lernen wollte. Später kam man zu dem Schluss, dass Ingo bereits damals wusste, dass er künftig sein Geld als Musiker verdienen und keine langweilige Berufsausbildung brauchen wird. Er zog zusammen mit seiner damaligen Freundin in eine kleine Wohnung in Hamburg-Dulsberg.
 

Der große Bruder war zwischenzeitlich nach Berlin umgezogen und hatte dennoch stets Kontakt zur Familie gehalten. So traf man sich immer wenn es die Zeit zuließ, entweder in Berlin, in Hamburg oder auf Tour. Und auch die Schwester hielt stets den Kontakt zu ihren beiden Brüdern und zum Vater und man traf sich zu den verschiedensten Anlässen.
 

Aufgrund des Rechtstreits mit Noise-Records war Ingo wegen der verordneten Zwangspause viel in Hamburg. Es gab viel Freizeit und wenig Herausforderungen. Ingo kam mit dieser Situation nicht gut klar und es viel ihm immer schwerer, seine Zeit mit sinnvollen Dingen auszufüllen. 1991 wechselte Ingo´s Schwester aus beruflichen Gründen nach Berlin und tauschte mit dem großen Bruder ihre Wohnung in Hamburg. So konnte sich der große Bruder auch noch besser um Ingo kümmern. Sie verbrachten viel Zeit gemeinsam, fuhren zusammen in den Urlaub und mit den Studioaufnahmen in Dänemark ging es für Ingo langsam wieder aufwärts. Die Familie hatte bis dahin nicht mitbekommen, dass Ingo anscheinend ein Drogenproblem hatte, aus dem sich dann in den Folgejahren die Schizophrenie bildete. Offensichtlich war allerdings, das Ingo kein Alkoholiker war, wie einige behaupten. Während Ingos Krankheit immer mehr von ihm Besitz nahm, haben die Familienmitglieder ihn bestmöglich bei der Heilung seiner Krankheit unterstützt. So mussten zudem auch Behandlungskosten abgerechnet- und Therapieplätze gefunden werden. Unzählige Gespräche wurden geführt und manchmal sah es so aus, als dass es eine Besserung geben würde.

Die Band hatte Ingo zwei Jahre Zeit gegeben, um wieder klar zu kommen. Aber als die Trennung von Helloween nicht mehr zu vermeiden war, ist für Ingo seine Welt total zusammengebrochen. Er fiel wieder in ein tiefes Loch, aus dem er trotz umfassender Hilfe Aller nicht mehr heraus kam.

Am 02.02.1995 verstarb nach kurzer schwerer Krankheit Ingos Vater. Dies war ein weiterer Tiefschlag und Ingo war nun fast gar nicht mehr ansprechbar. Zusammen mit seinen Geschwistern hat Ingo sich um die Beerdigung des Vaters und die Wohnungsauflösung gekümmert, soweit es ihm der damalige gesundheitliche Zustand ermöglichte. Er wollte unbedingt immer dabei sein. Als er am 09.03.1995 noch immer nicht in seiner Wohnung anzutreffen war, sind seine Geschwister zur Polizei gegangen und wollten eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Die Polizei hat sie aber wieder nach Hause geschickt und meinte, Ingo werde wohl schon wieder auftauchen. Die Geschwister suchten sodann selber in ganz Hamburg nach Ingo. Sie hatten keine Ahnung von dem, was inzwischen passiert war. Wenige Tage später  - am Geburtstag des großen Bruders - wurde den Geschwistern im Hamburger Polizeipräsidium dann ein Foto von Ingo gezeigt und ihnen wurde Ingos geliebte Armbanduhr übergeben. So erfuhren die Geschwister vom Freitod ihres geliebten Bruders erst 5 Tage später...

 

Statement von Ina-Corinna und Kay:
 

"Das ist jetzt 25 Jahre her und für uns Geschwister ist es immer noch so, als ob es gerade passiert wäre. Wir sind überzeugt, dass zum Zeitpunkt der Tat die" böse "Kreatur in Ingos Kopf die Souveränität über seine Handlungen hatte und dass er es nicht wirklich war Ingo hat in seinem kurzen Leben so viele wundervolle Dinge erlebt. Er hat sich die Zeit bis zum Ausbruch seiner Krankheit sehr intensiv genommen und sie wirklich genossen - auch wenn er immer ein Perfektionist war und selten zu 100% zufrieden war seine eigene Leistung als Schlagzeuger.
 

Die schönen und nicht so schönen Momente, die wir mit Ingo erleben konnten, werden immer in unseren Herzen sein. "
 

Persönliche Worte von Ina-Corinna:

Mein geliebter Bruder Ingo ist heute denn je ein sehr großes Vorbild für mich. Mit seiner Sanftheit und seinem Lächeln zog er die Menschen in seinen Bann und bis heute ist er der unvergessene "Mr. Smile". Ingo lebte wahrhaftig sein Talent und seine Berufung und bis heute orientieren sich so viele Schlagzeuger und Musiker aus aller Welt an seinem Können. Unzählige sehr persönliche und wunderschöne Momente habe ich mit meinem Bruder zusammen erleben dürfen, an die ich mich sehr gern und mit viel Freude zurückerinnere; wie auch gemeinsames Kochen, wo wir so viel Spaß hatten. Doch eines der ganz großen Highlights ist meine aller erste Schallplatte, die mir Ingo schenkte, als ich noch ein kleines Mädchen war. "ABBA - The Album". Damit schuf Ingo seinerzeit etwas ganz Besonderes und Großes, was uns Beide bis zum heutigen Tage intensiv miteinander verbindet und mich tagtäglich begleitet und im Laufe der Jahre immer stärker wurde und wird. Ich liebe Dich und ich bin unendlich dankbar, Deine Schwester zu sein und so viele wundervolle Momente mit Dir erlebt zu haben und Deine Präsenz bis heute so stark zu spüren. Du bist immer da und Du wirst es immer sein. Ewig.

 

Deine Schwester Ina-Corinna

 

Lieber Onkel Ingo,
 

manchmal stelle ich mir vor, was wir zusammen machen würden, wenn du noch da wärst. Ich denke wir hätten viel Spaß zusammen! Auch wenn wir uns noch nie getroffen haben, ich vermisse Dich irgendwie. Viele von Deinen Klamotten sind noch in unserem Haus - Manchmal trage ich einige davon in der Schule, wie zum Beispiel die Helloween-Pullover oder einfach T-Shirts, die Du früher auch getragen hast. Wie schon gesagt - leider konnte ich Dich nicht persönlich kennen lernen und ich bin sehr traurig, dass Du nicht mehr für mich da sein kannst.
 

Deine Nichte Dana


Ingo, fly free!

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